Barrierefreier Tourismus ist ein stark wachsender Zukunfts- und Umsatzmarkt


BAD WINDSHEIM / LANDKREIS – Das regionale Tourismuskonzept geht bei der Erschließung neuer Zielgruppen richtungsweisend voran: Barrierefreier Tourismus wird ab der Seite 49 explizit als Wachstumssegment mit hoher gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Relevanz definiert. Das Ziel ist klar: Alle Menschen sollen unabhängig von körperlichen Einschränkungen selbstbestimmt, komfortabel und ohne fremde Hilfe reisen können.
Durch den demografischen Wandel nimmt die Bedeutung dieser Zielgruppe stetig zu. Das ökonomische Potenzial für unsere Region ist riesig – laut Schätzungen leben in Europa über 130 Millionen Menschen mit dauerhaften oder temporären Beeinträchtigungen.

Blickt man auf die Daten des Statistischen Bundesamtes, wird die Dringlichkeit deutlich: In Deutschland leben knapp 8 Millionen schwerbehinderte Menschen – das entspricht etwa 9,4 % der Gesamtbevölkerung (im Jahr 2005 lag diese Zahl noch bei etwa 6,8 Millionen). Über 79 % dieser Menschen sind 55 Jahre oder älter, rund 34 % sogar über 75 Jahre. Die Ursache liegt auf der Hand: Etwa 91 % aller schweren Behinderungen entstehen im Laufe des Lebens durch Erkrankungen. Die Zahl der Rollstuhlabhängigen (Merkzeichen aG) wird in Deutschland auf 1,3 bis 1,6 Millionen geschätzt; weitere 1,2 Millionen Menschen benötigen einen Rollator oder Gehstützen und brauchen deshalb  barrierefreie Zugänge.


Ein Zukunfts- und Umsatzmarkt für den lokalen Mittelstand

Was bedeutet das für den Tourismus in unserem Landkreis? Die wirtschaftliche Bedeutung dieser Personengruppe ist enorm und darf von der Kommunalpolitik nicht als bloßes „Sozialthema“ abgetan werden. Wir sprechen hier von einem dynamischen Zukunfts- und Umsatzmarkt.

Wirtschaftsfaktor Barrierefreiheit:

  • Der Markt für barrierefreies Reisen verzeichnet in Deutschland einen Jahresumsatz von 2,5 bis 3 Milliarden Euro.
  • Schwerbehinderte Menschen und ihre Begleitpersonen tätigen jährlich 10 bis 12 Millionen Übernachtungsreisen sowie mehrere Hundert Millionen Tagesausflüge.
  • Dies ist auch ein entscheidender Impuls für die Gestaltung der Barrierefreiheit auf der bevorstehenden Landesgartenschau 2027 in Bad Windsheim.

Vom barrierefreien Tourismus profitiert nicht nur die Hotellerie, sondern direkt der gesamte regionale Mittelstand: Gastronomie, Einzelhandel, Kultureinrichtungen, der öffentliche Nahverkehr sowie unsere Thermen und Freizeiteinrichtungen.

Hinzu kommt der sogenannte Multiplikator-Effekt: Menschen mit Behinderungen reisen selten allein. Aus einer Barrierefrei-Abfrage entsteht in der Praxis fast immer eine Buchung für 2 bis 4 Personen.

Antizyklisch und loyal: Traumgäste für die Nebensaison

Aus betriebswirtschaftlicher Sicht bringt diese Zielgruppe zwei herausragende Eigenschaften mit:

  1. Antizyklisches Reiseverhalten: Da viele Betroffene bereits im Ruhestand sind, reisen sie bevorzugt in der Nebensaison. Damit helfen sie der heimischen Gastronomie und Hotellerie direkt dabei, die Auslastung außerhalb der Sommermonate stabil hochzuhalten.
  2. Hohe Kundentreue und Weiterempfehlung: Die Suche nach verlässlich barrierefreien Angeboten erfordert Aufwand. Lösen ein Hotel, eine Therme oder eine Urlaubsregion ihr Barrierefreiheits-Versprechen lückenlos ein, bleiben diese Gäste nicht nur länger, sondern werden zu treuen Stammgästen. Sie empfehlen unsere Region in ihren Netzwerken und Fachforen intensiv weiter.


Mit überschaubarem Aufwand viel bewirken

Wie kann Barrierefreiheit in unserem Landkreis noch besser umgesetzt werden? Oft sind es kleine, pragmatische Maßnahmen, die den Alltag entscheidend erleichtern: stufenlose Zugänge, Aufzüge (wo machbar), ebenerdige Duschen und Türdurchgänge von mehr als 80 cm Breite.

Auf der Informationsplattform www.bad-windsheim-barrierefrei.de finden sich konkrete Ratschläge und Praxisbeispiele, wie Gastronomie und Hotellerie mit oft geringem finanziellem Aufwand viel erreichen können. Zwar sind solche Baumaßnahmen im privaten Bereich gesetzlich nicht vorgeschrieben, doch wer den wirtschaftlichen Nutzen erkennt, gewinnt nicht nur einen Imagevorteil, sondern stärkt nachhaltig die Wirtschaftskraft unseres gesamten Landkreises.


Hier das Video dazu: